Wandnahe Aufstellung von Lautsprecherboxen


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Eine häufig gestellte Frage ist, ob man die Bassreflexöffnung von der Rückwand nach vorn verlegen kann, wenn die Boxen sehr nah an die Wand gestellt werden müssen. Wir haben deshalb untersucht, welchen Einfluss der Abstand der Box zur Raumwand auf den Frequenzgang hat und ob eine rückwärtige BR-Öffnung eine zu starke Bassanhebung verursacht.
Die Untersuchungen haben wir mit der Vox 252 durchgeführt. Diese Konstruktion ermöglicht wegen des seitlichen Tieftöners Messungen mit dem BR-Tunnel vorn und hinten unter sonst gleichen Bedingungen: Wenn man die rechte Box nimmt, sitzt der Tieftöner auf der linken Seite und der Tunnel hinten. Nimmt man dagegen die linke und dreht sie so, dass der Tunnel vorn ist, zeigt der Tieftöner wieder nach links. Im Gegensatz zu Messungen im schalltoten Messraum ist es sehr wichtig, dass sich nur die Bedingungen ändern, die man untersuchen will. Wenn der Tieftöner einmal links und dann rechts sitzen würde, würde man sich wegen der unterschiedlich angeregten Raumresonanzen Messfehler einhandeln. Wegen dieser Problematik haben wir auch in verschiedenen Räumen die gleichen Messungen durchgeführt und die Ergebnisse gemittelt. Das ist nötig, weil wegen der immer vorhandenen Raumresonanzen vor allem im Bassbereich Welligkeiten vorhanden sind, die das Ergebnis verfälschen.
1. Unterschied zwischen 1 m und 10 cm Abstand der Rückwand zur Raumwand mit Tunnelöffnung hinten (in beiden Fällen)
Jeder weiß, dass eine Box, die an die Wand geschoben wird, mehr Bass bekommt. Das hat sich hier auch bestätigt. Die Änderung im Frequenzgang wirkt sich nur unterhalb 200 Hz aus. Oberhalb 200 Hz ändert sich dagegen durch die nähere Aufstellung der Frequenzgang nicht (siehe Abb.). Strenggenommen gilt das nur für Boxen mit Schallwänden, die eine ähnliche Breite wie die Vox 252 haben.
2. Unterschied zwischen BR-Öffnung vorn und hinten
Es wurden Messungen mit der Vox 252 in 1 m und 10 cm Abstand der Rückwand zur Raumwand durchgeführt. Dabei interessierten nur die Frequenzen bis 200 Hz, da höhere Frequenzen von der BR-Öffnung nicht abgestrahlt werden. Ergebnis: Es wurde weder bei 1 m noch bei 10 cm Abstand ein Unterschied zwischen der Version Tunnel vorn oder Tunnel hinten gemessen. Da die Messergebnisse identisch sind, hat es keinen Sinn, eine Differenzkurve abzudrucken. Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es spielt keine Rolle, ob der Tunnel vorn oder hinten sitzt, auch nicht bei ganz naher Aufstellung zur Wand. Theoretisch ist das leicht zu erklären. Die Wellenlänge bei 50 Hz beträgt fast 7 m. Die Maße der BR-Öffnung und die Schallwandbreite sind im Vergleich dazu sehr gering. Das bedeutet, es handelt sich um eine Punktschallquelle, die eine Kugelwelle erzeugt. Eine Kugelwelle strahlt in alle Richtungen. Der Schall aus der BR-Öffnung kommt nicht, wie oft vermutet wird, wie eine Kanonenkugel aus dem Rohr, sondern breitet sich wie eine Wasserwelle nach einem Steinwurf aus. Wenn die Welle also rundum strahlt und 7 m lang ist, ist es völlig vernachlässigbar, ob sie 40 cm (Boxentiefe) näher oder weiter von der Wand entfernt entsteht. Bei tieferen Frequenzen sind die Wellenlängen noch größer und somit ist die Abhängigkeit noch geringer. Bei 100 Hz, wo noch etwas Schall aus der BR-Öffnung kommt, hat man immer noch eine Wellenlänge von 3,4 m, für die die gleiche Überlegung gilt.

Fazit

Es spielt keine Rolle, ob die Bassreflexöffnung vorn oder hinten sitzt, auch nicht, wenn die Box bis auf 10 cm an die Wand geschoben werden muss.
Dagegen ist der Einfluss des Wandabstandes auf den gesamten Bassanteil unterhalb 200 Hz sehr stark. Tieftonschwache Boxen können damit im Bass angehoben werden. Bassstarke dagegen überdecken dann mit dem zu dominanten Bassanteil den Mittel- und Hochtonbereich und klingen unpräzise. Im Falle der Vox mit einer tiefen Trennung des Tieftöners ist eine Abhilfe relativ leicht: Es müssen nur der Mittel- und der Hochtöner weniger stark abgesenkt werden, um die Balance wieder herzustellen.
Diese Messungen und Überlegungen gelten nur generell für einen normierten Hörraum. Es kann durchaus sein, dass in einem speziellen Fall wegen einer Tieftonschwäche durch stehende Wellen im Raum eine wandnahe Aufstellung zu einer Verbesserung führt.
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