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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein neues ATB PC


UweG
13.03.2005, 01:42
Nachdem ich jetzt stolzer Besitzer eines ATB PC-Meßsystems geworden bin und einwenig Gelegenheit hatte, damit zu experimentieren, möchte ich hier mal ein wenig berichten.

Das ATB PC besteht aus:
- 1 DVD mit Testsignalen (CD gibt optional)
- einer Prgramm-CD
- einem Meßmikro
- einem Kabel Chich auf Klinke zum kalibrieren der Soundkarte
Das Handbuch ist nur als PDF auf der Programm-CD.

Qualitativ hinterläßt das Produkt einen gemischten Eindruck. Das Mikro wirkt billig (Plastikröhrchen mit Billigplastikfuß), macht aber anscheinend durchaus gute Messungen. Als besonderes Schmankerl kommt es offenbar ohne Stromversorgung aus, obwohl es sich um ein Kondensatormikrophon handelt. Wie das funktioniert, ist mir unklar, aber es wird ausschließlich an den Mikrophoneingang angeschlossen und dort kommt definitiv keine Spannung raus - ich habe nachgemessen.

Das Programm selbst ist in Borland Delphi geschrieben (wie Boxsim auch) und hätte damit schon mal einen ersten Sympathiepunkt errungen. Leider wirkt es stellenweise sehr mit der heißen Nadel gestrickt. Dialoge, die so zwar funktionieren, aber mit wenigen Stunden Arbeit hätten hübscher und funktioneller gestaltet werden können, ein Häkchen das man zwar setzen kann, dessen Funktion mir aber bisher verborgen blieb, teilweise unsinnige Verzeichnisvorschläge in Dateiauswahlboxen und ein mittelmäßiges Handbuch sind negative Beispiele.
Trotzdem ist es mir relativ schnell gelungen, die erste brauchbare Messung zu bekommen. Gemessen wird ausschließlich mit Rauschsignalen.


Das erste, was ich konkret angegangen bin, war die Einstellung meiner Subs mal zu verifizieren und ein bißchen herum zu experimentieren. Ergebnis: Der linearste Frequenzgang ergibt sich, wenn die Fronts nicht bis unten hin mitlaufen und (für mich überraschend) wenn man die Subs gegen die Fronts verpolt. Eine spätere Hörprobe hat die Verbesserung subjektiv bestätigt. Es wurde auch bestätigt, dass der richtige Sub-Pegel bei -3..-6dB liegt, obwohl die beiden GF250 in 16-Ohm-Beschltung angeschlossen sind (also die Spulen jeweils in Reihe und die beiden Tieftöner nochmal in Reihe). An der BR-Abstimmung konnte ich auch noch ein wenig optimieren, mit unterschiedlicher Abstimmung habe ichkeine guten Ergebnisse erreichen können, im Moment sind die extrem Tief abgestimmt, ich schätze unter 20Hz, fast schon wie CB.

Als nächstes habe ich mir den Gesamtfrequenzgang am Hörort vorgenommen. Dabei kam zunächst das heraus:
http://boxsim.de/Bilder/2005-03/SW-3dB.gif
Der Schwund zu hohen Frequenzen ist in einer Nahfeldmessung nicht so heftig, aber auch etwas vorhanden. Ich vermute aber, dass hier das Meßmikro nicht optimal ist. Die 21mm-Dynaudio-Kalotte hat bestimmt keinen Höhenabfall.

Eine kleine Frequenzweichenmodifikation (3,3 Ohm vor den MT) führte hierhin:
http://boxsim.de/Bilder/2005-03/SW-3dB3.3OhmvorMT.gif

Der Frequenzgang sieht zwar besser aus, im Hörtest klingt er aber badewannig. Das Mehr an Wärme ginge vielleicht gerade noch o.k., die Höhen sind aber überbetont.
Die Kurven habe übrigens nur eine 1/6 Oktave-Glättung, sind aber Mittelungen aus mehreren Messungen in einem Umkreis von ca. 50cm.

P.S.: Die Fronts sind hier (http://www.visaton.de/vb/showthread.php?s=&threadid=8226) und die Subwoofer hier (http://www.visaton.de/vb/showthread.php?s=&threadid=8229). Die Bestückung ist aber inzwischen GF250, nicht mehr WSP21S.

P.P.S.: Die beiden Plots sind nicht gleich gepegelt. Ich bin inzwischen nicht mehr sicher, ob der erste Plot nicht mit verpoltem TT und nur einer Box gemacht ist. Das hatte ich mal versuchsweise ausprobiert.

ichse1
13.03.2005, 10:13
Danke für den schönen Bericht.

Stromversorgung Mikro:

Das ist ein sog. "Elektret" Mikrofon. Dabei ist die Membran permanent geladen. (vergleichbar mit einem Permanentmagneten)

BN
13.03.2005, 11:00
Naja, aber auch ein Elektret-Mikro braucht Strom: nicht für die Vorspannung wie beim Kondensator-Mikro, sondern für den Impedanzwandler, der im Mikro schon eingebaut ist. Die Ladung in der Elektret-Membran ist so winzig, daß sie sofort "verpuffen" würde, so bald ein Mikrofonkabel direkt an die Membran angeschlossen wird. Auch wäre dann die Mikrofonempfindlichkeit von der Länge des kabels abhängig --- kann eigentlich nicht sein.

Das Elektret-Mikro kann auch zweipolig angeschlossen werden, nur müßte dann Spannung aus dem Mikroeingang herauskommen. Und wenn es das nicht tut, wie Uwe nachgemessen hat, dann ist das schon etwas sonderbar.

Bernhard

Volker
13.03.2005, 11:07
Hallo,
Wahrscheinlich daher auch der Hochtonabfall, bau auf jeden Fall eine Phantomspannung und probiere es mal damit.
Die gleichen Zicken macht sogar das ECM-8000 im Hochton wenn es statt 48V mit nut 15V Betrieben wird.

BN
13.03.2005, 11:15
Wenn für das Mikro keine Phantomspannung vorgesehen ist, würde ich nie, niemals 48V anlegen. Das Behringer ist von vornherein für 48V ausgelegt, es funktioniert aber auch mit geringerer Spannung, aber möglicherweise nicht optimal.

Bernhard

Volker
13.03.2005, 11:42
Hallo BN
ich hab nicht geschrieben das er an seinem ATB Mikro 48V anlegen soll. Ich hatte nur mal einen Vergleich mit dem Behringer geschrieben, das 15-48V Phantomspannung haben soll. Wobei 15V zu wenig für das Behringermikro- ist und eben dann den Hochtonabfall bei meinem Mikro zeigte.

BN
13.03.2005, 12:22
Hallo Volker,
ich hatte "Phantomspannung" mit 48V gleichgesetzt, daher das Mißverständnis.

Grüße

Bernhard

vita
13.03.2005, 16:13
bin auch besitzer eines ATB-PC Systems.

Bisher habe ich nur am PC gemessen da ich noch keinen Laptop habe (nichtmehr lange). Am PC habe ich Sats mit W 100s und RHT 13 AW und einen compound-sub unter dem tisch.

meine messung sehen so aus, rechts und links:
http://mitglied.lycos.de/sellman4life/Messung.JPG

ich war schon etwas verwundert wie krumm die kurve ist trotz 1/3 glättung, muss an reflexionen am schreibtisch und auslöschungen liegen. ich bin daher auch auf der suche nach einer Equalizer-Software für meine soundkarte....

bei der messung sieht aber der hochtonbereich "normal" aus, bis auf die tatsache, dass die kurve ab etwa 17kHz abfällt, was ein messfehler sein muss, da der RHT 13 AW weit über 20kHz läuft. (laut visaton messschrieb)

Als Messmikro verwendet ATB so weit ich weiß das Panasonic PCE 2000, welches eigentlich zu hohen frequenzen hin eher ansteigt statt abfällt und auch bis 20kHz misst. Vielleicht verrät uns ja ATB welches Mikro verwendet wird.

Farad
13.03.2005, 18:32
Über den Ring des Stereoklinkenkables, wird das Mikrofon mit Phantomspeisung versorgt.

Die Kapsel die ich gekauft habe, hat defintiv keinen Höhenabfall. Dieser müßte viel Charakteristischer heraustreten. Messe ich eine VIB170AL auf Achse zwischen den Chassis erhalten ich bei entsprechender Glättung und kurzem Abstand (Wohnraum!) genau den Visatonfrequenzgang.

farad

UweG
13.03.2005, 23:03
Ich habe eben nochmal nachgemessen und weiß nicht so recht, was ich gestern gemessen habe. Jetzt sind 4,3V da und das kann natürlich wirklich als Phantomspannung reichen. Ich finde es aber schon erstaunlich, dass Mic-Eingänge von Laptops eine Phantomspannung liefern.
Kirchner gibt an, es sei eine "Back-Elektret"-Kapsel, was immer das nun ist.

Der Höhenabfall ist zum allergrößten Teil raumbedingt. eine Nahfeldmessung zeigt nur einen ganz schwachen Höhenabfall bis ca. 17..18 kHz. Da die Induktivität des HT mit Zobelglied kompensiert ist, kann das evtl. sein. Lediglich der Steilabfall bei ca. 18kHz dürfte am Messsystem liegen, aber der stört mich ehrlich gesagt nicht wirklich.

@farad: Hast du eine Mikrophonkorrekturkurve eingegeben?

Farad
14.03.2005, 01:51
@UweG

nein. Das Mikro ist nicht das Standard-Micro das man bei Pearl und überall bekommt. Oben ist das Billigding abgesägt und es wurde die Panasonickapsel eingestzt. Das sieht man am Schrumpfschlauch und ich hab mit den Panasonickapseln schon selbst experimentiert, das ist wohl ziemlich sicher eine von denen. Ich habe schon an das kalibrieren gedacht, sämtliche "Services" die ich fragte haben mir aber von der kalibrierung abgeraten. Das Mikro wäre für Lautsprechmessungen derart linear, dass es sich nicht lohnen würde wegen der 1-2dB 50€ auf den Tisch zu knallen. Das hab ich dann eingesehen. Wenn das selbst die Leute sagen, die damit ein Geschäft machen könnten klingt das für mich schlagend.

Kirchner hat hinten auf der Verpackung einen Frequenzgang über die Billigpappe geklebt, aber der sieht sowas von Strichgerade aus, dass ich fast nicht glauben kann, dass der tatsächlcih von dieser einen Kapsel stammt.

Das es ein billiges Kunststoffding ist stört mich überhaupt nicht. Ob die Box mit einem Edelstahl-, Aluminium- oder Kunststoffröhrchen als Mikroschaft entwickelt wurde hört nachher kein Mensch. Auch die "Profis" aus den Akustiklaboren usw messen selten direkt mit einem B&K. Meistens wird irgend ein deutlich billigeres robustes Neutrik mit dem B&K kalibriert und das "Mastermikro" wird nur zu Hause im RAR eingsetzt.

Ich kann mich nur wiederholen dass ich das ATB für seinen erdachten Zweck wirklich sehr gut finde. Die Systemkorrektur ist in windeseile erledigt, das Mikro ist so linear dass es mir egal ist, die Wiederholgenauigkeit ist so erstaunlich gut, dass es für einfache Messungen allemal ausreicht.

In naher Zukunft werde ich dank ATB-PC wohl doch einen Meß-Notebook mit einfachem kleinen Verstärker und einem Discman in einen Koffer einbauen. JustOct kommt dann wohl noch für die Impedanzmessung o.ä. dazu.

Dass das ganze kein Ersatz für Profi-Werkzeuge ist, ist mir selbstverständlich klar. Auch dass das Programm nicht ideal geschrieben ist und dass viele weitere Features schön wären versteht sich von selbst.

Trotzdem halte ich es für den idealen Kauf wenn man ein Rundum-Sorglospaket für den einfachen Einstieg in die Lautsprechermeßtechnik sucht. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass auf Dauer was professionelleres her muß, aber obwohl es Hobbybox oder SpeakerWorkshop "schon immer" gibt hab ich dazu nie den Draht gefunden.

gruß, farad

Volker
14.03.2005, 09:15
Hallo ,
ATB-PC hab ich auch hier und könnte es mit meinem DAAS32 mal vergleichen.. Da ich auch viele Panasonic- Kapseln hier habe und kurz vor Auslieferung die Mikros überprüfe, will ich hinweisen das trotz gleicher Charge die Kapsel oberhalb 7- 25Khz Khz bis zu 4-5db schon mal am driften sind. Dann gibt es noch schlimmere Ausreißer, die überhaupt nicht empfindlich genug sind und noch einen Abfall zu den tiefen Tönen hin zeigen und somit für mich Schrott sind und entsorgt werden müssen. Evtl, überprüft ATB die Mikros ja auch und legt nur Mikros bei die im Toleranzbereich liegen. Aber das wissen wir nicht. Um Ganz sicher zu sein, sollte man das kpl. Messgerät vor einen LS im Nahfeld mal messen, von dem ein kalibrierter Messschrieb im Nahfeld bekannt ist.

Tosti
14.03.2005, 09:17
Hi,
eine Frage: wieviele Meßpunkte sind das jetzt von 20-20kHz? Bloß das ich die Kurven im Vergleich zu meinem Haifish deuten kann.

gruß
Tosti

UweG
14.03.2005, 11:51
Meßpunkte kennt das ATB PC nicht. Es misst mit einem synthetischen rosa Rauschen und wertet per FFT aus. Die Glättung beträgt oben 1/6 Oktave, allerdings ist die Messung einen Mittlung vieler Messungen in einem Umkreis von ca. 50 cm.

Frank
14.03.2005, 14:41
Meßpunkte kennt das ATB PC nicht. Es misst mit einem synthetischen rosa Rauschen und wertet per FFT aus.

Und womit rechnet der Computer dann wenn nicht mit diskreten Werten?

UweG
14.03.2005, 15:30
:confused: Na klar rechnet der PC mit diskreten Werten. Eine Messung dauert schätzungsweise 2..3 Sekunden (hab das Ding nicht hier), also 100000 bis 150000 Meßwerte bei 48 kHz Samplingsrate. Meintest du das?

VISATON
14.03.2005, 16:56
@ UweG: Nur mal zur Information, was Back-Elektret bedeutet. Bei einem Elektret-Mikrofon braucht man keine Polarisationsspannung wie bei herkömmlichen Kondensator-Mikrofonen. Das reduziert den Aufwand enorm. Die Ladung muss aber in einem perfekten Isolator möglichst über Jahrzehnte festgehalten werden. Das ist eine ganz kitzliche Angelegenheit, da die winzige Ladung mit der nötigen hohen Polarisationspannung im Nuh weg ist. Wenn man sie berüht, ist sie ähnlich schnell weg wie in einem aufgeladenem Kamm. Am Anfang hat man die Kunststoffmembran aufgeladen. Da nur Teflon (PTFE oder FEP) ausreichend gut die Ladung festhalten kann, hat man die Membran aus diesem weichen Material herstellen wollen. Die mögliche Zugspannung ist aber für eine Membran viel zu gering. Daher ist man bald auf die Idee gekommen, das Teflon auf die Gegenelektrode heiß aufzusiegeln und dann aufzuladen. Deswegen der Name "Back-Elektret".

pico
18.03.2005, 17:01
Hi VISATON,

wieder was gelernt . . .

Übrigens haben ALLE WINDOWS-kompatiblen Soundkarten am Mikroeingang eine Spannung von 3.3 bis 5 Volt (oder so) zu liefern, damit die vielgenutzten Elektretkapseln ohne weitere Zusatzgeräte
(= interne Batterie oder externe Spannungsversorgung) daran funktionieren. Danke, Bill!

Soundtrailer
20.03.2005, 10:52
hi. das mikro wird mit einer phantomspannung via soundkarte gespeist! jede soundkarte gibt eine phantomspannung heraus! die kapsel ist von panasonic typ MC 1 und läuft sehr linear. ich habe beide geräte im einsatz. einmal auf dem schleptop und halt das große Atb . habe vergleichmessungen gemacht und der unterschied ist imaginär. gruß peter

soiss
20.03.2005, 17:51
wie, jede soundkarte hat am mic-eingang 3... 5 V gleichspannung anliegen??? das muss sich doch in den datenblattln finden lassen ... im übrigten dachte ich, dass die diversen ansteckmikros aus dem mediamärkten typischerweise elektretmikros sind...